15. Sep, 2017

(Kapitel 2) Locked in cage, without my key - oder: Was hinter der verschlossenen!! Tür geschah..

Nein, ich bin noch nicht darüber hinweg. Ganz und gar nicht. Zwar  habe ich gelernt, damit umzugehen, sofern man das so sagen kann, aber so richtig frei bin ich noch immer nicht.

Flashbacks, Angst, Panikattacken, Schlafstörungen, Allergien, unerklärliche Schmerzen und wiederkehrende Selbstzweifel - das sind einige Auswirkungen der Spätfolgen von narzisstischem Missbrauch. Und die kenne ich nur zu gut. Wiedereinmal liege ich übermüdet mit meinem Gedankenkarussel wach im Bett. Was kann ich noch tun, dass endlich einmal Ruhe eintrifft? Einfach mal wieder tief und frei durchatmen können, ohne irgend eine Form von Angst zu verspüren. Einfach mal wieder ganz normal ein- und durchschlafen können, ohne sich davor zu fürchten, dass schrecklich Erfahrenes im Traum wiederkehrt und Verdrängtes auf einmal wieder hochkommt..
Und dann ist da dieser Gedanke: darf ich als Therapeutin überhaupt diesen Blogartikel schreiben und veröffentlichen? Jemand mit einem therapeutischen Beruf hat doch keine "Probleme", dem geht's doch gut? Darf so ein jemand denn beruflich beraten und coachen?
Meine Intuition sagt ja. Denn schlussendlich sind wir alle Menschen mit unseren Geschichten, Erfahrungen und Ängsten. Ich glaube, dass genau diese selbsterlebten Erfahrungen, wie sie in keinem Lehrbuch theoretisch zu finden sind, allgemein einen guten Therapeuten/eine gute Therapeutin ausmacht. Ich bin der Meinung, dass genau die selbstdurchmachten schlimmen Erfahrungen eine grosse Chance sein können. Somit möchte ich auch allen Therapeuten, Beratern, Coaches, Heilern etc. Mut machen, dass auch sie zu ihren Geschichten stehen dürfen. Und vielleicht ist genau dies der Kernpunkt, sich selbst und andere heilen zu lassen. Loslassen, zulassen, einfach sein, authentisch sein, da sein..
Vielleicht löst sich genau so das ein- oder andere "Problem" auf? Indem man es ansieht, annimmt, wahrnimmt. Es einmal nicht schön reden, sondern einfach so belassen, wie es ist. Es möchte ja gesehen werden, sonst würde es einem nicht die ganze Zeit nerven.

Ich verrate euch jetzt etwas. Eigentlich wäre ich in 3 Tagen auf meine Lieblingsinsel nach Griechenland geflogen. Es geht nicht. Es hat sich eine riesengrosse Flugangst eingeschlichen, welche in mir schon beim Gedanken an's "eingesperrt sein" im Flugzeug Panik und Atemnot auslöst. Seit 20 Jahren fliege ich, seit dem narzisstischen Missbrauch habe ich Mühe bekommen - doch noch nie war's so schlimm. Immer ging es. Immer habe ich mich überwunden. Bis auf dieses Mal, es geht einfach nicht. Mich macht es traurig und wütend zugleich. Ich fühle mich ausgeliefert, hab kein Rat und auf ein spontanes Wunder hoffen, nützt auch nichts. Aber, jetzt kommt das grosse ABER: irgendwie ist es verständlich. Ich wurde damals in der narzisstischen Beziehung mehrmals in der Wohnung und im Auto eingeschlossen. Mein Wohnungsschlüssel hat man mir zuvor natürlich heimlich abgenommen. Im Auto war das so, dass man mich nicht rauslassen wollte, es zentralverriegelte und mit einer hohen Geschwindigkeit einfach weiterfuhr. Ich hatte damals grosse Angst, Todesangst. Hoffte, dass ich schnell wieder irgendwie rauskomme. Ich musste betteln und ganz brav sein, musste Versprechen abgeben, die ich unter freiem Willen nie gegeben hätte.. aber es ging um mein Leben, heil aus dem verschlossenen Käfig wieder rauszukommen - um erneut wieder eingesperrt zu werden. Völlig manipuliert mit gebrochenem Willen - anders wäre dies nicht möglich gewesen. Denn genau das klingt für Aussenstehende meist unerklärlich. Wieso bleibt jemand bei so einem Partner? Selbst Schuld, könnte ja einfach weggehen! - Nein, denn in diesem Zustand ist man schon lange nicht mehr sich selbst. Sonst würde man unverzüglich gehen, wenn man könnte..
Zurück zur Flugangst.. eingesperrt sein im Flieger, nicht einfach rausgehen können - Kontrollverlust. Das ist noch alles gespeichert und macht sich jetzt so richtig bemerkbar. Es macht mich schon wieder traurig, zugleich bin ich dankbar dafür, dass ich diese Angst reflektieren kann und ihr gegenüber nun offen "in die Augen" schauen kann. Wie's weiter geht, kann ich noch nicht sagen. Aber es geht weiter, Schritt für Schritt - im Moment halt ohne Insel und Meer, dafür mit neuer Erkenntnis und einem neuen Blogartikel. 😉

Bis bald, habt Mut und seid gut zu euch!!

Macht alles, was euch gut tut und Freude bereitet. Lacht, tanzt, lauft, malt, singt, musiziert, schreibt, geht raus in die Natur oder in die Stadt. Nehmt euer altes Kuscheltier aus der Truhe und erzählt es ihm.. Egal was und wie, aber "sprecht" darüber, in welcher Form auch immer. Hört auf eure innere Stimme, denn ihr wisst genau, was gut für euch ist. Die Antwort bzw. Lösung liegt bereits da, in euch. Sie muss nur noch am richtigen Ort gefunden und verstanden werden. 😉 😊

 

(..wer das erste Kapitel noch nicht kennt, kann es hier unten nachlesen)